Ballaststoffe: Mangelware in der Überflussgesellschaft – Teil I

Unsere moderne Ernährung enthält viel zu wenig Ballaststoffe. Mit negativen Auswirkungen für unsere Gesundheit. Wissenschaftler empfehlen nun sogar Fertiggerichte damit anzureichern. Aber warum nicht gleich praktikable Lösungen für jeden anbieten?

© 2014, Verena Rydl

Ballaststoffe: Mangelware

Unverdauliche Wohltäter

Gestern berichtete der Spiegel in seiner Online-Ausgabe unter dem Titel „Die unterschätzten Fasern“ über die Ergebnisse verschiedener aktueller Studien zu den positiven gesundheitlichen Auswirkungen von Ballaststoffen in der Nahrung.

Diese beugen nicht nur dem Darmkrebs vor, sondern senken offenbar auch das Herzinfarktrisiko, hemmen allergische Entzündungsreaktionen der Lunge, wirken Asthma entgegen, zügeln den Appetit und verbessern den Fett- und Zuckerstoffwechsel. Selbst wenn einige dieser Wirkungen bislang nur mit Tierversuchen belegt wurden, steht doch außer Frage, dass Ballaststoffe in der Nahrung mehr bewirken, als schlicht die Verdauung zu fördern und den Toilettengang zu erleichtern. Und das alleine wären schon gute Gründe zu versuchen, mehr von diesen nützlichen Helfern zu sich zu nehmen.

Wunsch und Wirklichkeit

Mindestens 30 bis 40 Gramm Ballaststoffe sollten wir täglich zu uns nehmen, davon sollten, Pi mal Daumen, etwa zwei Drittel unlösliche und ein Drittel lösliche sein. Tatsächlich nehmen wir mit unserer Nahrung im Schnitt aber nur rund 18 g zu uns. Und diese Zahl hat sich seit rund 20 Jahren kaum verbessert. Nicht zuletzt, weil es mühsam ist, sich über die jeweiligen Ballaststoff-Gehalte jedes einzelnen Lebensmittels zu informieren. Dies zumindest ist durch das Internet inzwischen sehr viel leichter geworden. Aber Hand aufs Herz: Wer macht das schon dauerhaft?

Das Problem: Die gewohnte Ernährung zu verändern fällt uns allen sehr, sehr schwer. Wir kochen eben eher ein garantiert wohlschmeckendes Lieblingsgericht als ein ernährungsphysiologisch vollkommen ausgewogenes, das womöglich sogar noch ungewohnte Gemüse enthält. Dieses Festhalten an Vorlieben und Gewohnheiten ist ein großes Hindernis für jede Diät, für jede Ernährungsumstellung. Wenn wir uns überhaupt noch die Mühe machen, zu kochen, denn der Anteil an konsumierten „Convenience“-Produkten der Industrie steigt immer mehr an.

Mehr Ballast tut Not

Die Wissenschaftler im Spiegel-Artikel sehen dies offenbar ähnlich pessimistisch, denn sie empfehlen, Fertiggerichte gleich in der Fabrik mit Ballaststoffen anzureichern. Dies geschieht in der Produktion speziell mit dem Attribut „ballaststoffreich“ beworbener Lebensmittel ohnehin seit langem und würde nur eine leichte Umstellung der Rezepturen erfordern.

Aber kann es wirklich die einzige Lösung sein, der Industrie die Lösung zu überlassen? Kann man den Leser so im Regen stehen lassen?

Als ich den Spiegel-Artikel las, musste ich an meine Arbeit als Autor für die WDR-Sendung „Hobbythek“ denken. Dort wurde ballaststoffreiche Ernährung bereits vor weit über 20 Jahren propagiert. Vor allem wurde schon damals ein meines Erachtens besserer Weg aufgezeigt. Denn viel besser wäre es, einfach die Gerichte, die wir (immer noch) gerne und häufig kochen ballaststoffreicher zu gestalten. Und das ist überhaupt nicht aufwändig. Dank hierfür gebührt dem visionären Hobbythek-Begründer und Wissenschaftsjournalisten Jean Pütz, der genau dieses, für jeden leicht umsetzbare, Konzept propagierte. Der ist zwar heute im (Un-)Ruhestand aber immer noch höchst aktiv und umtriebig. Hier der Link zur Homepage von Jean Pütz.

Eine einfache Alternative

Viele Freunde der Hobbythek begingen am 21. März diesen Jahres mit Bedauern den zehnten Todestag der Einstellung der Sendung im WDR-Programm. Aber sicherlich nicht in stillem Gedenken, sondern aktiv. Indem sie Brote backten, Konfitüren herstellten, ihren Kaffee süßten, Wäsche wuschen oder Kosmetikprodukte selbst anrührten. Alles mit Rohstoffen, die früher ausschließlich der Industrie vorbehalten waren und die erst die Hobbythek den mündigen Bürgern zugänglich machte.

Denn auch heute noch, zehn Jahre nach Einstellung, hat die Grundidee Bestand. Dass man selbst wissen und bestimmen sollte, was in einem Produkt drin sein darf. Und wenn die Industrie dies so nicht anbietet, macht man es eben selbst.

Es gibt glücklicherweise immer noch viele Anhänger dieser Idee und daher auch noch eine ganze Reihe von Unternehmen, die die von Jean Pütz und der Hobbythek inspirierten Rohstoffe anbieten.

Und das bietet Ihnen als Leser die in Europa und womöglich sogar weltweit einzigartige Möglichkeit, nahezu jedes Ihrer Lieblingsgerichte mit gesunden löslichen und unlöslichen Ballaststoffen problemlos anzureichern. Denn was die Industrie kann, können Sie schon viel leckerer.

Dies genauer zu erklären, würde den Artikel allzu lang machen.

Darum folgt schnellstmöglich Teil II, in dem ich denjenigen, die Produkte wie Erbsen- und Weizenfasern, Gummi Arabicum und andere seinerzeit nicht kennen gelernt haben einen ersten kleinen Einstieg ermögliche. Erkläre, wie man ausführliche Informationen darüber erhält, wie man sie heute noch beziehen kann. Meine persönlichen Erfahrungen teile, wie man sie im täglichen Leben am besten verwendet.

Und ich verspreche Ihnen das aktuelle (weil in stetiger Entwicklung befindliche) Rezept meines selbst entwickelten Lieblingsbrotes. Das enthält mindestens 14,5% Ballaststoffe, mit von Backen zu Backen steigender Tendenz.

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